Ernährungswahlverhalten ist wie jedes menschliche Verhalten durch unterschiedliche Bedingungen und Barrieren geprägt (McKenzie-Mohr 2000). Die Entscheidung, bestimmte Nahrungsmittel (nicht) zu verzehren wird von vielen Faktoren, die miteinander im Wechsel stehen beeinflusst (Lea & Worsley 2003; Steptoe et al. 1995). Dies ermöglicht die Beeinflussung von Ernährungsverhalten mit Hilfe von Interventionen. Der Begriff Intervention beschreibt eine zielgerichtete, geplante Maßnahme zur Lenkung menschlicher Verhaltensweisen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Interventionsformen zu klassifizieren.

Im Projekt NAHGAST werden drei Möglichkeiten das Verhalten von Individuen zielgerichtet zu beeinflussen berücksichtigt: Nudging, Information und Partizipation.

Nudging

Beschreibung

Nudging ist eine Methode, um das Verhalten von Menschen auf vorhersagbare Weise zu beeinflussen, ohne dabei auf Verbote und Gebote zurückgreifen oder ökonomische Anreize verändern zu müssen (Sugden 2009). Die dahinterliegende Annahme lautet, dass Kauf- und Verzehrentscheidung von Konsument*innen auch unbewusst durch externe Rahmenbedingungen wie die z.B. das Arrangement der Speisen oder soziale Hinweisreize beeinflusst werden.

Nudging beschreibt Interventionsansätze, die die Umgebungsstruktur so verändern, dass Menschen sich zu bestimmten Verhaltensweisen eher bemüßigt fühlen als zu anderen. Der Begriff Nudge bedeutet Schubs oder Stupser. Mit Hilfe eines Nudges soll das Verhalten einer Person in eine Richtung gelenkt werden, ohne dass dabei die Zahl der Möglichkeiten aus denen gewählt werden kann reduziert wird. Eine Person wird also nicht zu einem bestimmten Verhalten gezwungen. Vielmehr wird durch eine Veränderung in der Auswahlarchitektur, der sog. choice architecture, die Aufmerksamkeit auf bestimmte, vorteilhafte Optionen gelenkt. Diese werden in der Folge attraktiver. Die Person wird so in Richtung einer Verhaltensweise gestupst.

Nudging geschieht stets situationsbedingt und funktioniert vor allem in Situationen mit begrenztem kognitiver Einsatz (Hansson 2005).

Information

Beschreibung

Das Aufbereiten und Vermitteln von Informationen mit dem Ziel der Verhaltensbeeinflussung stellt eine weitere Interventionsform dar. Informationen über Probleme, Meinungen oder Verhaltensweisen von Anderen können dabei die Wahrnehmung, die Einstellung, das Bewusstsein und Normen eines Individuums beeinflussen (Abrahamse & Matthies 2011). Hilfreich ist dabei, zwischen zwei Arten von Wissen zu unterscheiden das durch Information erzeugt werden soll: dem Problemwissen, also dem Wissen über bspw. existierende Missstände, und dem Handlungswissen, d.h. Wissen darüber, wann und wie Handlungen umgesetzt werden können (Mosler & Tobias 2007; Homburg & Matthies 1998).

Partizipation

Beschreibung

Partizipation an sich stellt keine Interventionsform dar, sondern vielmehr eine Variante der Interventionsimplementation, da sie eine Form der freiwilligen Beteiligung von Betroffenen in Entscheidungsprozessen beschreibt. Horelli (2002) definiert Partizipation wie folgt:

„Partizipatorische Planung ist ein sozialer, ethischer und politischer Prozess in welchem Individuen oder Gruppen unter Zuhilfenahme verschiedener Instrumente in variierender Tiefe an den sich überschneidenden Phasen der Planung und Entscheidungsfindung teilhaben und deren Ergebnisse mit den Wünschen und Interessen der Teilnehmer deckungsgleich sind.“ Zudem werden unterschiedliche Stufen der Beteiligung (Partizipationstiefe) unterschieden. Mitbestimmung, die mehr ist als Einbeziehung oder lediglich eine Anhörung ist gilt als Partizipation. Dürfen Individuen lediglich Anweisungen entgegen nehmen oder werden instrumentalisiert haben sie keine Partizipationsmöglichkeit (siehe Wright & Unger 2007).

Im Rahmen von NAHGAST wird eine praxistaugliche und für die Fallstudien geeignete Arbeitsdefinition partizipativen Vorgehens verwendet: Unter partizipativem Vorgehen verstehen die Projektpartner die Befragung und Miteinbeziehung der Mitarbeiter in Bezug auf die Umsetzung von Interventionen, sowie der Essensgäste in Bezug auf deren Wünsche zum Speisenangebot. Mitbestimmung von Seiten der Essengäste wird nicht angestrebt, die Zustimmung von Küchenleitern und bestenfalls der betroffenen Mitarbeiter wird angestrebt.

Für die Umsetzung von Interventionen werden daher auch die von Wright & Unger (2007) als Vorstufen definierten Ebenen Einbeziehung und Anhörung als partizipatives Vorgehen verstanden. Die Umsetzung eines partizipativen Verfahrens bzw. die daraus resultierenden Maßnahmen können Nudges oder Informationen als Interventionen enthalten.